Die Bipolare Störung
Manisch-depressive Krankheit
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Manisch-Depressive Erkrankungen (bipolar-affektive Störungen) und wirksame kognitiv-behaviorale Rückfallprävention

Manische und depressive Phasen treten bei Betroffenen oft in regelhaften Zyklen einzeln (unipolar) oder im Wechsel zwischen Manie und Depression (bipolar) auf. Die bipolar oder manisch Erkrankten sind häufig kreative und dynamische Personen, die sich in ihrer Manie als (anfänglich) sehr leistungsfähig, produktiv und erfolgreich erleben. Die überschießenden und unkontrollierbar werdenden Aktivitäten können jedoch unbehandelt zu dramatischen Gefährdungen für die erkrankte Person und andere führen. Prof. Dr. med. Kay R. Jamison, Psychiatrie-Professorin an der berühmten Johns Hopkins University School of Medicine und Co-Autorin des anerkannten medizinischen Standardhandbuches über diese Erkrankung, schrieb 1993, aufgrund der überragenden Fortschritte in der neueren Forschung habe sich "ein Großteil des modernen psychiatrischen Denkens von den früheren Einflüssen der Psychoanalyse freigemacht und zu einer mehr biologischen Perspektive bewegt" (S. 3). In der Tat sind die bipolaren und manischen Störungen durch Medikamente (z.B. Lithium) relativ gut zu behandeln. Allerdings sind die Nebenwirkungen häufig beträchtlich, so dass "Psychotherapie ein wichtiger Teil der Behandlung der manisch-depressiven Erkrankung ist" (Jamison 1993, S. 246f.).

Während eine alleinige psychotherapeutische Behandlung bei diesen Störungen die Ausnahme ist (z.B. bei Medikamentenunverträglichkeit), "häufen sich die Belege, die zeigen, dass Psychotherapie in Verbindung mit einer Medikation das Rückfall-Risiko mindern kann", betont
Jamison. Insbesondere, so fährt die Professorin für Psychiatrie fort, "besteht eines der ultimativen Ziele der Anwendung von Psychotherapie bei manisch-depressiven Patienten darin, niedrigere Lithium-Dosen zu ermöglichen, wodurch die kognitiven, stimmungsmäßigen und anderen Nebenwirkungen der Medikamente minimiert werden" (S. 247).

Die kognitive Verhaltenstherapie bietet hierbei nicht nur den Vorteil, medikationsspezifische Probleme psychotherapeutisch zu behandeln, sondern sie hat mit Hinblick auf eine Prävention den Vorzug, "den an einer bipolaren affektiven Störung erkrankten Patienten durch kognitive Umstrukturierung und Modifizierung seines Selbst-Schemas und Erarbeitung eines individuellen Selbst-Kontroll-Inventars zu befähigen, künftigen krankheitswertigen Stimmungsschwankungen im Sinne einer Rückfallprophylaxe mit hinreichender Sensibilität durch Selbst-Monitoring frühzeitig und adäquat begegnen zu können", wie
Luchmann 1994b (S. 167) zeigt. Insgesamt, so definieren auch Prof. Dr. Joseph R. Scotti von der West Virginia University und seine Kollegen (Scotti 1993, S. 547) den Stand psychotherapeutischer Möglichkeiten derart, dass "die chronischen psychiatrischen Erkrankungen weder ‘zu schwer für Verhaltenstherapie’ sind noch dass irgendeine ‘biologische Basis’ für diese Erkrankungen den Einsatz von Verhaltenstherapie als die primäre oder sekundäre Behandlungsoption ausschließen sollte."

Vollständiger Originaltext in PSYCHOTHERAPIE

 
 
 

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