Ein
Journalist![]() |
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Wilde Wege, ohne
Ziel
Ich sah nur noch einen Ausweg: weg aus der Direktionsetage, hinein in die Selbstständigkeit als Wirtschaftsberater. Was als hoffnungsvoller Anfang aussah, wurde in Wirklichkeit zum Beginn eines Desasters. In der vermeintlichen Freiheit entwickelte sich meine Krankheit zu dem, was sie später wurde. Ungehemmt durch äussere Zwänge schlug das Pendel zwischen Depression und Manie immer heftiger aus. Schon vorher hatte ich wegen meiner Depressionen Ärzte aufgesucht. Nun lernte ich im neuen Berufsumfeld Psychologen und Psychiater kennen. Wenn ich mich ehrlich frage, so erinnere ich mich an mehr oder weniger scherzhaft hingeworfene Bemerkungen betreffend einer Manie. Doch wem hätte ich dies damals abgekauft? An meine erste heftige Manie erinnere ich mich, als ich als Mitarbeiter in einer Rehabilitationseinrichtung für Drogenabhängige arbeitete. Ich fand mich echt stark, als ich mich eines Tags auf die Seite der Betreuten schlug und demonstrativ eines Nachts abhaute, mich in eine neue Bewerberin verliebte und bei ihr untertauchte. Kein Wunder, dass ich danach meinen Job verlor. Dann versuchte ich es als selbstständiger Personalberater. Beim nächsten manischen Schub erwischte ich eine Diskushernie. Unfähig auf den Beinen zu gehen, arbeitete ich wie besessen weiter, bis sich mein Zustand derart verschlechterte, dass ich auf allen Vieren einen Arzt aufsuchen musste. Der verfrachtete mich ins Krankenhaus, wo ich notfallmässig operiert werden musste, da mein linkes Bein jegliches Gefühl verloren hatte. Seit dem humple ich durch die Welt. Ein Basler Unternehmer gab mir später die Chance, mit einem bescheidenen Lohn zumindest wieder überleben zu können. Kaum war ich aber aus meiner Depression heraus, fühlte ich mich zu grossen Taten berufen. Ich flog in die USA und wollte mit den dortigen Erfahrungen einen der ersten Computershops in der Schweiz eröffnen. Glücklicherweise hatten die Schweizer Banken für meine hochfliegenden Pläne wenig Verständnis. So verlor ich nur mein Erspartes. |
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Dann fühlte ich mich nach Rom gerufen, in die Nähe des Papstes. Ich hatte nämlich in der Schweiz einige seiner Vorträge auf Audiokassetten herausgegeben. Die Umstände wollten es, dass ich ihm diese an seinem Sommersitz persönlich übergeben durfte. In katholischen Rom schien man für mich wenig Interesse zu entwickeln. Wie schön, dass ein etwas verstaubter Exilkönig aus einem Balkanland um meine Mitarbeit warb. Nach einigen Wochen schon ernannte er mich zu seinem „Aussenminister“, was bald auch durch eine Boulevardzeitung publik wurde. Wie schön eine Manie sein kann, wenn man nicht weiss, dass es eine ist. Mit ungebändigter Schaffenskraft stürzte ich mich in dieses königliche Abenteuer, auf eigene Kosten, mit der unvermeidlichen Konsequenz, wieder ohne einen Pfennig dazustehen. Hätte ich nicht liebe Freunde gehabt, die mir immer wieder unter die Arme griffen, wäre ich wohl in einer Klinik gelandet. So kehrte ich wieder in die Schweiz zurück. In einer sozialen Einrichtung, in der ich als Mitarbeiter einen Job fand, erhielt ich endlich die Diagnose, die in mein Leben eine Wendung brachte. Es war die oben genannte Kollegin, die selbst manisch-depressiv war wie auch ihr Vater. Ich kochte innerlich, fühlte mich noch nicht bereit einen Psychiater aufzusuchen. Eine Peinlichkeit, die mich eines Besseren belehrte, liess meine Hemmung fallen. Vom ersten Tag an erhielt ich, langsam aufbauend, Lithiumsulfat. Nebenwirkungen verspürte ich wenige. Der Psychiater, der auch meiner Arbeitskollegin geholfen hatte, zeigte mir einen neuen Weg, den ich anfänglich nur zögerlich akzeptierte. Die Lithiumtherapie habe ich drei oder vier Mal abrupt abgesetzt. Die Depressionen waren die schmerzhafte Quittung für diesen in hypomanischen Phasen gefassten Entschluss. Später dann verfluchte ich meine Flucht aus dem Medikament. Ich erinnere mich, dass ich während einer manischen Phase nach Kuba geflogen war. Auf dem Flughafen in Madrid hatte ich eine hübsche Kubanerin kennen gelernt, mit der ich mich Wochen später verlobte. Gleichzeitig mietete ich in Barcelona ein Büro, über das ich „Import-Export“ aus der Zuckerinsel abwickeln wollte. So ganz nebenbei kümmerte ich mich um einen möglichen Besuch des Papst in Kuba. Nur ein Maniker kann diese Dimension verstehen. Einfacher zu verstehen ist die Reaktion meiner Bank, die meine Kreditkartenschulden gegen eine kleine Immobilie in Frankreich eintauschte. Das Loch in das ich dann fiel war sehr, sehr tief und mein durch die Bank konfisziertes Häuschen verliess ich mit einigen Bananenschachteln, die im PKW eines Freundes Platz fanden. Sicher habe ich nicht nur Mist gebaut. Stabilisiert durch das Lithium hatte ich 1991 eine Reportage über den Golfkrieg gemacht und ein Jahr später sogar eine Hilfsaktion für Kinder im Irak, wo fast $ 100'000 zusammenkamen. Ich muss aber zugeben, dass ich durch meine inneren Schwankungen viele meiner Freunde brüskiert und einige davon verloren habe. Selten hatte ich den Mut offen über meine Krankheit zu sprechen. Ich empfand es als Stigma. Da ich meine Manien immer gut kaschieren konnte und sie nie besonders heftig waren, wurde ich nie hospitalisiert. Aber ich wollte meine Erfolge dennoch nicht hinterfragt wissen. Irgendwie fürchtete ich, dass ich von meiner Umgebung nicht mehr ernst genommen würde. Eine solche Krankheit gil doch für viele als Stigma. Die änderte sich erst im Laufe des letzten Jahres. Ich erkannte, dass ich nie richtig JA zur Diagnose gesagt hatte. Vielleicht hoffte ich im Innersten, dass sie nicht stimmte. Ganze 13 Jahre hat dies gedauert.... Nun stehe ich dazu und ich freue mich über jeden Menschen, der ehrlich über seine Behinderung spricht.
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| Manfred ist der Initiator und Webmaster von FORUM HUMANUM | ||||||||||||||||||