Ein Computerfachmann und Rocksänger
 




 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

Manie und Spiritualität - Erfahrungsbericht
 
Wir schreiben den Monat März 2001. Meine erste Psychose war auch ein klein wenig wie eine Erleuchtung, die ich nun hier versuche zu schildern. Ich arbeitete zu der Zeit bei der Firma WORLDCOM UUNET als Account Manger und war auf der CEBIT in Hannover, als es passierte. Der Übergang von Normalität zur Krankheit vollzog sich fliessend, fast unbemerkt. Alles ging wie von selbst. Die Arbeit, die Gespräche. Ich hatte einen goldenen Draht zu den Menschen. Türen gingen auf. Herzen. Ich fühlte eine tiefe Verbundenheit zu ALLEM was ist. Glück, Zufriedenheit, aber auch Euphorie waren meine ständigen Begleiter. Hierbei mein erstes Problem in Richtung psychotischer Schub: Ich schlief fast nicht mehr, denn ich hatte Energie ohne Ende. Ich versuchte meinen Kollegen meine neuen Erkenntnisse mitzuteilen, indem ich sagte: "ALLES ist verbunden. Wir sind alle ein Netzwerk!"Aber keiner verstand mich. Ich erhielt auf geistigem Wege ständig Botschaften, es war ein ständiger innerer Dialog. Wenn ich mich unterhielt, kamen die verblüffendsten Antworten wie von selbst, so als ob ich plötzlich alles wüsste. Ich bekam Angst ein Genie zu sein, auch wenn das jetzt vielleicht unlogisch klingt, ich hatte Angst vor meiner eigenen inneren Grösse und den damit verbundenen Möglichkeiten. Ich sah Energiefelder bei Menschen. Meine Intuition übertraf alles bis dahin dagewesene, Dinge dematerialisierten sich vor meinen Augen, sie verschwanden einfach, wurden zu "Geist" und ich verstand nicht, hatte keinerlei Erklärung, was mich nun nicht selten in Aufruhr und Panik versetzte. Es ist schwer so eine Erfahrung in Worte zu fassen. Es ging noch viel viel weiter, aber mir fehlen echt die Worte, z.B. hatten die Nummernschilder von vorbeifahrenen Autos immer eine spezielle verschlüsselte Botschaft für mich parat, was sehr anstrengend sein kann, wenn man das auf 700 km Autobahnstrecke, 7 Stunden ohne Pause erlebt.
Am 28. März, 11 Uhr, brach ich zusammen, ich schwafelte zusammenhangloses Zeug, wie ich sei Gott und der Teufel in einer Person, und kam schliesslich durch die Polizei in eine psychiatrische Klinik. Die Medizin ist nicht gewappnet für spirituelle Krisen und arbeitet deshalb überwiegend mit Medikamenten, die mir heute ein weitgehend beschwerdefreies Leben ermöglichen. Die Erlebnisse aus dieser und 8 weiteren Pychosen in den Folgejahren trage ich indes im Herzen und habe viel daraus gelernt, z.B. dass man sein Glück nicht von Äusserlichkeiten abhängig machen sollte. Abschliessend ist noch zu erwähnen, dass diese psychotischen Zustände immer zwischen 1-3 Wochen anhielten und meist in totaler körperlicher und seelischer Erschöpfung endeten.

In 50 bis 100 Jahren werden wir auch diese Probleme gelöst haben, wissenschaftlich und spirituell. Ich denke es ist ein Wandel im Bewusstsein erforderlich. Eine Offenheit des Geistes durch den "Gott" wirken kann.
 

 

 

 

 

 

Karlo Kalongo (Pseudonym)

   
 
 

 

 

 

 
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